WUPPERTAL
Gewerbeflächen: Oberbürgermeister macht Druck
Bei Gewerbeflächen will Wuppertal den Anschluss nicht verlieren. Für Investoren sollen schon bald Hunderttausende von Quadratmetern zur Verfügung stehen.
Wuppertal. Oberbürgermeister Peter Jung machte aus seiner Verärgerung keinen Hehl: "Es darf einfach nicht mehr passieren, dass ein Unternehmen gezwungen ist, seinen Sitz außerhalb Wuppertals zu nehmen, weil wir kein adäquates Areal für eine Betriebserweiterung zur Verfügung stellen können. Das ist eine Katastrophe für die Stadt." Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit nannte Jung nicht.
Und auch Stadtentwicklungsdezernent Thomas Uebrick verwies auf Nachfrage auf die 90er Jahre, als Unternehmer und Investoren der Stadt "reihenweise den Rücken kehrten", weil es keine ausreichenden oder passenden Gewerbegebiete gab. Arbeitsplätze und wichtige Gewerbesteuereinnahmen in nicht zu beziffernder Größenordnung sind der Stadt dadurch verloren gegangen.
Das soll sich nun mit Macht ändern. In der Verwaltung entsteht jetzt ein "Fahrplan für die Entwicklung und Vermarktung der Wuppertaler Gewerbeflächen". Die Idee stammt aus der Arbeitsgruppe "Wachstum für Wuppertal", in der sich die Fraktionsvorsitzenden und der Oberbürgermeister zusammengefunden haben.
Der Fahrplan soll dafür sorgen, dass sich auf den geplanten Gewerbeflächen endlich etwas tut, die Planungsphase möglichst schnell der Umsetzung weicht und das auch gegen Widerstand. "Wir können es uns heute nicht mehr leisten, dass die Ausweisung einer Gewerbefläche über Wochen und Monate zum Stillstand kommt, weil sich beispielsweise ein Gutachten verzögert und hierdurch die politischen Beratungen ins Stocken geraten", betonte Jung.
So ähnlich geschehen beim geplanten Mittelstandspark VohRang in Vohwinkel. Dort hatte die Entdeckung der Zauneidechse das Projekt gefährdet. Mittlerweile muss die Fläche zu einem großen Teil verringert werden, um den Lebensraum der Eidechse nicht zu gefährden.
Andernorts wie im Fall des Gewerbeparks Kleine Höhe planen die Entwickler gegen den erbitterten Widerstand vor allem von Naturschützern. Entscheidend für Jung ist aber, "dass wir zurzeit quasi keine verfügbaren zusammenhängenden Gewerbegebiete haben vor allem keine mit einer Ausweisung zur Produktion rund um die Uhr".
Welche Kommune den Zuschlag eines Investors erhält, ist von vielen Faktoren abhängig. Infrastruktur, Autobahnanbindung, Größe des Geländes und produzierendes Umfeld. "Der Gewerbesteuerhebesatz spielt dagegen nur eine untergeordnete Rolle", weiß Uebrick. Vor allem an Fläche fehlt es Wuppertal. Zwar gibt es bereits erschlossene Gebiete allesamt aber in einer Größenordung von jeweils nur wenigen 10 000 Quadratmetern.
Mit den geplanten neuen Gewerbeparks viele von ihnen themenbezogen, also spezialisiert auf bestimmte Branchen will Wuppertal nun nicht länger kleckern, sondern klotzen. Zum Vergleich: Auf Korzert stehen zurzeit 20 000 Quadratmeter Gewerbefläche bereit, am Simonshöfchen sind es 30 000 Quadratmeter.
Auf der Kleinen Höhe sollen dagegen einmal 22 Hektar zur Verfügung stehen, auf dem Rangierbahnhofgelände in Vohwinkel mehr als 12 Hektar, und die Generaloberst-Hoepner-Kaserne soll für metallverarbeitende Betriebe und Automobilzulieferer mehr als 26 Hektar Fläche bieten.
Der Beschleunigung der Gewerbeflächenplanung soll sich nach Vorgabe Jungs nun "alles andere unterordnen". Maßgabe ist, dass bei den derzeit fünf Themengewerbeparks für die Fläche Nösenberg spätestens Ende 2006 und beim Mittelstandspark VohRang spätestens Anfang 2007 eine Vermarktungsreife vorliegt. Ein entsprechendes Vermarktungskonzept will der Verwaltungschef schon nach der Sommerpause präsentieren.
06.06.05
Von Andreas Lukesch
Wuppertal
© Westdeutsche Zeitung
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